DenkMal! Philosophisches Café am 4. Dezember 2009 Thema: Standortbestimmung zwischen Schmerz und Selbstzerstörung
Niemand vermag einen andern auf die
Höhe zu heben, auf der er selbst steht, wenn er nicht ein Stück Wegs zum
Standort des anderen herabsteigt. (Augustinus)
Wer einen festen Standort hat, muss
noch lange nicht über einen eigenen Standpunkt verfügen. (Siegfried Wache)
Schmerz ist die Folge eines Urteils, das du abgegeben hast.
Hebe das Urteil auf, und der Schmerz verschwindet. (Unbekannt)
Aus Schmerz um die Wunden, die uns die Welt schlug, wird
Philosophie, aus Schmerz um die Wunden,
die wir uns selbst schlagen, Poesie. (Karl Ferdinand Gutzkow)
Der Schmerz hat recht, und nur im Schmerz liegt, was ihn
tröstet, was ihn lindert. (Wilhelm Jordan)
Schmerz ist
nicht die Wahrheit; Schmerz ist, was man durchmachen muss, um die Wahrheit zu
finden. (Merlin)
Schmerz ist ein
guter Erzieher. (Friedrich Löchner)
Wer sich entschließen kann, besiegt den Schmerz. (Johann
Wolfgang von Goethe)
Qualität lindert den Schmerz, den der Preis verursacht. (Hans-Jürgen
Quadbeck-Seeger)
Weltweisheit gibt dem Schmerz den besten Halt. (Dante
Alighieri)
Vergnügen ist nichts als ein höchst angenehmer Schmerz. (Heinrich
Heine)
Die Freude
verallgemeinert, der Schmerz individualisiert den Menschen. (Christian
Friedrich Hebbel)
Schmerz trägt mehr zur Identitätsfindung bei als Genuss.
(Michael Rumpf)
Keiner mahnt uns so gewissenhaft, für unser Wohl zu sorgen –
wie der Schmerz. (Emanuel Wertheimer)
Selbstzerstörung ist der Exzess der
Selbstsuche. (Bernhard Steiner)
Mitfühlen ist menschlich, mitleiden
ist Selbstzerstörung. (Eda Kocapinar)
Sprich aus, was du empfindest und du
vermeidest deine Selbstzerstörung. (Irina Rauthmann)
Die Unfähigkeit zur Liebe führt notwendig
zur Selbstzerstörung. (Peter Rudl)
Wem die Gabe der Gerechtigkeit
verliehen ist, ohne die übrigen göttlichen Eigenschaften, Allmacht und
Allweisheit, der ist übler dran, als der Ungerechte; denn er ist zur
Selbstzerstörung bestimmt. (Arthur Schnitzler)
DenkMal!
Philosophisches Café 6. November 2009 Thema: Die
Manipulierbarkeit des Menschen
Der Ablasshandel des Mittelalters war die vorweg genommene
Moderne eines effizienten Marketing-Instruments zur Unterdrückung und
Manipulation ganzer Völker...! (Rena Lessner)
Fanatismus ist eine Krankheit, die durch Manipulierbarkeit
mangels Willensstärke übertragen wird. (Peter Rudl)
Mode ist friedliche Manipulation der Masse. (Pascal
Lachenmeier)
Manipulation: die Selbstbefriedigung der herrschenden
Klasse. (Ulrich Erckenbrecht)
Genetische Manipulation erstickt die Zukunft im Keim. (Ulrich
Erckenbrecht)
Es sind die Bilder, die den Menschen die Manipulation
gelehrt haben. (Peter Rudl)
Extrinsische
Motivation ist nur ein anderer Ausdruck für Manipulation. (Niko Hachenberg)
Zur Manipulation der
Bürger sind die Parolen die geeignetsten, die so dumm sind, dass der
Durchschnittsverstand keinen Einstieg in sie findet. (Wilhelm
Schwöbel)
Nichts ist leichter zu versuchen, nichts leichter zu
manipulieren als die Dummheit. Nichts verdient weniger Vertrauen. (Peter Rudl)
Bildungspolitik: Je dümmer der Staat seine Bevölkerung hält,
umso einfacher kann er sie manipulieren. (Manfred Grau)
Alle Erziehung, ja alle geistige Beeinflussung beruht
vornehmlich auf Bestärken und Schwächen. Man kann niemanden zu etwas bringen,
der nicht schon dunkel auf dem Wege dahin ist, und niemanden von etwas
abbringen, der nicht schon geneigt ist, sich ihm zu entfremden. (Christian
Morgenstern)
Die Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein
Gänschen, die Frau, die ihn nicht beeinflussen will – eine Heilige. (Marie
Freifrau von Ebner-Eschenbach)
Ängste beeinflussen die Entwicklung. — Entfaltung
geschieht im Freisein von Angst. (Else
Pannek)
Vorgefasste Meinungen sind im Stande, die Aussagen der
wahrheitsliebendsten Menschen ungemein zu beeinflussen. (John Tyndall)
Die zwei stärksten und allgemeinsten Kräfte, die den
Menschen beeinflussen, sind: die soziale Stellung und der Nationalcharakter. (Hippolyte
Taine)
Das Fehlen sichtbarer Gewalt erlaubt der Manipulation, sich
als jene Freiheit auszugeben, die sie entzieht. (Friedrich Hacker)
DenkMal! Philosophisches Café am 2. Oktober 2009 Thema: Das Theorie-/Praxisproblem Der
Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis weit höher als in der
Theorie. (Ernst Ferstl)
Praxis
ohne Theorie leistet immer noch mehr als Theorie ohne Praxis. (Quintilian)
In
der Praxis ist vielen Menschen die Theorie doch lieber als die Praxis. (Ernst
Ferstl)
Das
Problem von Theorie und Praxis ist nur eines der Praxis. (Georg Skrypzak)
Um
Theorien zu entwickeln, bedarf es einer ausreichenden Praxis. (Martin Gerhard Reisenberg)
Praktiker
erfahren oft sehr schmerzlich, dass ihnen die Theorie gefehlt hat. (Fritz P. Rinnhofer)
"Das
Ignorieren der Wahrheit der Praxis als gelehrte Ignoranz liegt unzähligen
theoretischen Irrtümern zugrunde." (P. Bourdieu).
"Man
kann jedoch auch, wie Marx es in den Thesen über Feuerbach formuliert, den
souveränen Standort verlassen, von dem aus der Objektivismus die Welt ordnet...
Es genügt hierzu, sich in die 'wirkliche, sinnliche Tätigkeit' als solche, d. h.
in ein praktisches
Verhältnis zur Welt zu versetzen.." (P. Bourdieu)
"Die
Theorie der Praxis als Praxis ist das einzige Mittel, um der Alternative
zwischen Materialismus und Idealismus zu entgehen, indem sie dem
positivistischen Materialismus entgegenhält, dass ihre Gegenstände konstruiert
sind, dem intellektualistischen Idealismus dagegen, dass das Prinzip dieser
Konstruktion die praktische, auf praktische Funktionen ausgerichtete Tätigkeit
ist" (P. Bourdieu)
"Daran
wird kenntlich, dass das typisch hermeneutische Paradigma des Austauschs von
Worten zweifellos weniger angemessen ist als das des Schlagabtauschs, das G.H.
Mead zur Anwendung brachte... ...und schließlich, dass der Sinn einer
Information, die niemals - es sei denn für den Gelehrten oder den Ästheten - in
sich selbst ihre Bestimmung findet, definitiv nichts anderes ist als die
Gesamtheit der Handlungen, die sie auslöst." (P. Bourdieu)
"Zwar
ist der Hinweis zutreffend, dass die Theorie der Praxis, die als Bedingung
einer strengen Wissenschaft von den Praxisformen und praktischen Handlungen
erscheint, nicht weniger theoretisch - mithin theoretisch und praktisch
von der Praxis getrennt - ist als jene Theorie der Praxis, die implizit in die
objektivistischen Modelle eingeht; doch ist damit noch nicht die Frage hinfällig,
inwieweit die gesellschaftlichen Voraussetzungen, die faktisch gegeben sein
müssen, damit eine besondere Kategorie von Individuen zur Ausübung einer
theoretischen Tätigkeit bereitgehalten werden kann, nicht per se die unbewusste
Übernahme eines bestimmten Typs einer Theorie der Praxis begünstigen." (P.
Bourdieu)
Literatur: Pierre
Bourdieu, Die Theorie der Praxis
DenkMal!
Philosophisches Café 4. September 2009 Thema:
Vordenker/Der Wert der Intellektuellen in der Gesellschaft
Als
Vordenker bezeichnet man eine
Person, die durch ihre innovativen Gedanken, Schriften und richtungweisendes,
motivierendes Verhalten konkreten Entwicklungen in bestimmten Bereichen des
menschlichen Lebens einen Durchbruch oder eine Basis schafft und damit der Weiterentwicklung
den Weg bereitet. Im Gegensatz zum Protagonisten,
der sich vor allem durch sein Handeln und seine Taten auszeichnet, spielt beim
Vordenker die intellektuelle Konstruktion und das Erkennen der Situation und
des Zeitgeistes die bedeutendere Rolle. Der Begriff Vordenker ist per se weder
positiv noch negativ belegt. (nach wikipedia)
Der
Begriff Intellektueller (lat.
intellegere – verstehen) bezeichnet im Allgemeinen eine Person, die – meist
aufgrund ihrer Ausbildung und Tätigkeit – wissenschaftlich oder künstlerisch
gebildet ist. Für die Soziologie (Joseph Schumpeter folgend) sind
Intellektuelle Menschen, die zu reden und zu schreiben verstehen und mit ihrer
Kritik öffentlich Dinge zur Sprache bringen, die an sich außerhalb ihrer
eigenen Sachkompetenzen und Verantwortungsbereiche liegen. Ihre Erfolgschance
beruht auf der Legitimitationsfähigkeit durch in der jeweiligen Gesellschaft
verbindliche Grundwerte und liegt vor allem in ihrem Störpotenzial. Zu
unterscheiden ist der Begriff des Intellektuellen von der soziologischen
Kategorie der Intelligenz: Zur
Intelligenz zählen all diejenigen, die qua Profession Lebensdeutungen
hervorbringen oder die theoretische Voraussetzungen für die rationale
praktische Lebensbewältigung schaffen (Theodor Geiger). Ein Intelligenzler kann
zum Intellektuellen werden, sofern er öffentlich zu Fragen Stellung bezieht,
die auch außerhalb seiner eigenen Fachkompetenz liegen können, und soziale und
politische Vorgänge kritisch analysiert und hinterfragt. (nach wikipedia)
Der
Begriff Avantgarde stammt
ursprünglich aus dem Sprachschatz des französischen Militärs und bezeichnet die
Vorhut, also denjenigen Truppenteil, der als erster vorrückt und somit zuerst
Feindberührung hat. Im übertragenen Sinn werden unter „Avantgarde“ politische
und künstlerische Bewegungen zumeist des 20. Jahrhunderts verstanden, die eine
starke Orientierung an der Idee des Fortschritts gemeinsam haben und sich durch
besondere Radikalität auszeichnen. (nach wikipedia)
Nachdenkliche
sind die besten Vordenker. (Walter Ludin)
Die nicht
nachdenken, brauchen unbedingt Vordenker. (Ernst Ferstl)
Auch
Vordenker müssen zuerst nachdenken. (Walter Ludin)
Mancher
möchte gerne Vordenker sein, um zur geistigen Avantgarde zu gehören, und
versäumt dabei das Nachdenken. (Anselm
Vogt)
Politiker
setzen auf die Nachdenklichen. Kein Wunder, die sind harmlos, die kommen immer
zu spät. Nur Vordenker sind gefährlicher! (Georg Skrypzak)
I
ntellektuelle
zitieren, Denker werden zitiert. (Armin Rothermund)
Der
Intellektuelle braucht auch ein oberflächliches Leben, damit er sein Erkanntes
überleben kann. (Elmar Kupke)
Gelehrte und
Intellektuelle sind für mich wie kokette Damen. Man sollte sie besuchen, mit
ihnen parlieren, aber sie weder heiraten noch zu Ministern machen. (Napoleon I.
Bonaparte)
Intellektuelle
stört es nicht so sehr, wenn die Sonne nicht aufgeht, Hauptsache, die
Tageszeitung erscheint. (Pavel Kosorin)