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Geist; Was sind letzte Fragen? Sind die letzten Fragen wichtig?;  Sich ändern, Ändern, Ändern lassen

DenkMal! Philosophisches Café am 2. März 2012

Thema: Geist



DenkMal! Philosophisches Café am 3. Februar 2012

Thema: Was sind die letzten Fragen? Sind die letzten Fragen wichtig?

 
Metaphysik: Die Metaphysik ist der Versuch, auf die allgemeinsten und grundlegendsten Fragen über die Struktur der Wirklichkeit mit wissenschaftlicher Strenge Antworten zu finden. Die Metaphysik arbeitet nicht mit der Methode der Empirie, eher kann sie mit der Mathematik verglichen werden. (frei nach Brüntrup, Theoretische Philosophie)

Letztbegründung: Der Philosoph muss all seine Behauptungen begründen können. Doch der vernünftige Sinn dieser Forderung kann nicht bedeuten, Begründung müsse in jedem Fall durch Schlussfolgerung geschehen. Denn aus ihr würde die grundsätzliche Unabschließbarkeit des Begründungsverfahrens folgen. Wenn man also an der Forderung, alle Behauptungen begründen zu sollen, festhält, so muss gezeigt werden können, dass es letztbegründete Aussagen im Sinne von durch sich selbst begründeten Aussagen gibt, d. h. Sätze, die deshalb als durch sich selbst begründet gelten können, weil sie nicht zu bestreiten sind, ohne ihre Geltung stillschweigend in Anspruch genommen zu haben. (Weissmahr, in Schöndorf, Philosophisches Wörterbuch)

Retorsion: (lat. retorquere = den Spieß umdrehen) meint in der klassischen Logik die verwendete Argumentationsform, die im Umdrehen eines Dilemmas besteht oder den Aufweis eines performativen oder transzendentallogischen Widerspruchs. Der performative Widerspruch entsteht dadurch, dass das Behauptete durch den Vollzug bestritten wird. Umgekehrt: alle aussagen sind notwendigerweise wahr, bzw. durch sich selbst begründet, die nicht bestritten werden können, ohne einen performativen Widerspruch zu begehen. (Weissmahr, in Schöndorf, Philosophisches Wörterbuch)

Letzte Antworten sind tabuisierte Fragen. (Andreas Tenzer)

Sei geduldig mit allen Fragen in deinem Herzen, und versuche, die Fragen an sich zu schätzen. (Rainer Maria Rilke)

Die Frage ist falsch gestellt, wenn wir nach dem Sinn des Lebens fragen. Das Leben ist es, das Fragen stellt. (Viktor Frankl) 

Die Wissenschaften geben Antworten, die Fragen aufwerfen, während die Philosophie Fragen stellt, denen wir unser Leben getrost überantworten können. (Reiner Klütting)

Nicht wer die grundlegenden Fragen stellt, ist ein Fundamentalist, sondern wer sich nicht um die Grundlagen seiner Fragen kümmert. (Stefan Fleischer)


Literatur:

Walter Brugger, Harald Schöndorf (Hg.) 2010. Philosophisches Wörterbuch. Freiburg/München: Karl Alber.

Godehard Brüntrup, 2011. Theoretische Philosophie. München/Grünwald: Komplett-Media.

Wolfgang Detel 2007. Metaphysik und Naturphilosophie. Stuttgart: Reclam.

Harald Schöndorf (Hrsg.) 2012. Die Wirklichkeit erkennen. Grundlinien im Denken Béla Weissmahrs. Stuttgart: Kohlhammer.



Café DenkMal! Philosophisches Café am 6. Januar 2012

Thema: Sich ändern, Ändern, Ändern lassen

Wenn Menschen ihre innere Einstellung ändern, können sie auch die äußeren Umstände ihres Lebens ändern. (William James)

Wir bringen es zwar nicht fertig, die Dinge unseren Wünschen entsprechend zu ändern, doch ändern sich mit der Zeit unsere Wünsche. (Marcel Proust)

Alle denken nur darüber nach, wie man die Menschheit ändern könnte, doch niemand denkt daran, sich selbst zu ändern. (Leo Tolstoi)

Was w i r nicht ändern, wird s i c h ändern. (Erhard Blanck)

Nicht die Dinge ändern sich; wir ändern uns. (Henry David Thoreau)

Es sind immer die andern, die sich ändern müssen. (Walter Ludin)

Sag nicht, dass du nichts ändern kannst. Wenn du die Kraft hast, dich zu ändern, wird sich alles ändern. (Ernst Ferstl)

Wenn wir eine Situation nicht ändern können, müssen wir uns selbst ändern. (Viktor Frankl)

Wer morgen sein Leben ändern will, wird es nie ändern. (Bernhard Steiner)

Wenn die Menschen die Dinge nicht ändern können, ändern sie die Worte. (Jean Jaurés)

Wer Menschen ändern will, kann sie nicht schonen. (Hans Clarin)

Was einmal gut gedacht und gesagt ist, das soll man ruhen lassen und nichts dran ändern. (Johann Wolfgang Goethe)

Die Ernte kannst du nicht ändern – aber die Saat. (Bruno Sörensen)

Das ist die riesige moderne Irrlehre: die Menschenseele zu ändern, um sie den Verhältnissen anzupassen, anstatt die Verhältnisse zu ändern, um sie der Menschenseele anzupassen. (Gilbert Keith Chesterton)

Von "Utopie" spricht man für gewöhnlich dann, wenn man etwas nicht ändern will und nicht, wenn man etwas nicht ändern kann. (Gerald Dunkel)




DenkMal! Philosophisches Café am 7. Oktober 2011:

Thema: Menschenbild und Grundgesetz

Art 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

Art 2

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Art 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Art 4

(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.

Art 5

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Art 6

(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

(5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.

Art 14

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung

der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.


DenkMal! Philosophisches Café am 2. September 2011

Thema: Menschenbilder und Rechtfertigung des Handelns

Als Menschen anerkennen wir all jene Wesen, die sich mit uns hier zu einem Wir zusammenschließen können, bis an die Grenze, an der, in der Konfrontation mit Tieren, keine gegenseitige Anerkennung mehr sinnvoll ist. Denkgeschichtlich wie erlebnismäßig liegt dem Abstraktum „der Mensch“ also nicht nur die Abgrenzung zu Tieren, zu Geistern und Göttern, sondern auch der Inklusionsbegriff des „Bruders“ oder „Nächsten“ voraus. Damit ist unmittelbar gegeben, dass „Mensch“ immer auch schon ein ethisch „geladener“ Begriff ist: Wird ein Mensch nicht mindestens anfänglich auch mit dem sittlichen Anspruch, der von ihm ausgeht, erfasst, wird er gar nicht als Mensch wahrgenommen. „Mensch“ ist also nicht primär ein Begriff der biologischen Systematik. (s. Brugger, Schöndorf, Philosophisches Wörterbuch)

Handlung ist eine von einer Person verursachte Veränderung des Zustandes der Welt. Der Handelnde ist Ursprung seiner Handlungen, die Kausalkette hört beim Handelnden auf. Handlungen unterscheiden sich von Ereignissen dadurch, dass wir auf eine Warum-Frage mit einer Absicht des Handelnden antworten. (s. Brugger, Schöndorf, Philosophisches Wörterbuch)

Grundlegend für unser Verständnis vom Menschen und seinem Handeln in Freiheit wurde Immanuel Kant:

1. Was kann ich wissen? Das Wesentliche, das Eigentliche - Kant nennt es das „Ding an sich“ - bleibt den Menschen verborgen. Denn der Mensch erkennt die Dinge nur, wie sie ihm erscheinen, nicht wie sie wirklich sind. 2. Was darf ich hoffen? Hoffnung meint Kant in Bezug auf Gott und auf die Unsterblichkeit. Nach Kant kann man Gott nicht vernunftmäßig ergründen, erkennen oder beweisen. Gott verweist den Gottesbeweis wieder in den Bereich des Glaubens. 3. Was soll ich tun?  Man soll nach Kant das Gute tun, weil es gut ist, nicht wegen einer Belohnung oder aus Angst vor Strafe. Sein Sittengesetz ist allgemeingültig; d.h., es gilt für alle Zeiten und für alle Menschen in gleicher Weise. Es lautet: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als  Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann.“ 4. Was ist der Mensch? Ein Kernbegriff der kantischen Anthropologie ist der Begriff der Freiheit: Für Kant ist die Freiheit etwas Absolutes. Für Kant ist der Mensch ein absoluter Wert zuzuschreiben; ein Mensch darf niemals bloß als Mittel zu irgendeinem Zweck gebraucht werden; er ist vielmehr Selbstzweck. (Zusammenfassung nach Geisler)

Die christliche Offenbarung über den Menschen sagt, dass jeder einzelne Mensch durch die Liebe Gottes absolut bejaht ist und dass in dieser Bejahung sein unzerstörbarer Wert und seine unzerstörbare Würde wurzeln. Die Offenbarung sagt ferner, dass jeder Mensch die berechtigte Hoffnung haben darf, dass er im Jenseits die endgültige Erfüllung seines Lebens finden wird. Dies bedeutet aber nicht, dass er dem Diesseits keinen Wert beimisst und in Inaktivität sein Leben fristet nur in der Hoffnung auf ein Jenseits. (nach Geisler)

Die Dimensionen des Menschen in einer psychosomatisch orientierten Anthropologie (s. Eckhard Frick, Psychosomatische Anthropologie)

1.        Der sich bindende Mensch.

2.        Der Zeichen verstehende Mensch.

3.        Der träumende Mensch.

4.        Der spielende Mensch.

5.        Der sich ängstigende Mensch.

6.        Der Körper, den ich habe.

7.        Der leidende Mensch.

8.        Der schuldige Mensch.

9.        Der trauernde Mensch.

10.     Der lebendige Mensch.


DenkMal! Philosophisches Café am 5. August 2011

Thema: Menschenbilder und Gesprächsregeln


Dialog bedeutet Kompromiss: Wir lassen uns auf die Meinung des anderen ein. (Dalai Lama)

Aus der Gesprächskultur ist ein Gesprächskult geworden. (Ernst Reinhardt)

Gehe nie aus einem Gespräch, ohne dem anderen die Gelegenheit zu geben, mit Dankbarkeit an dieses Gespräch zurückzudenken. (Adolph Freiherr von Knigge)

Ich glaube, das 21. Jahrhundert muss den Ehrgeiz entwickeln, nicht das Reden zu fördern, sondern das Gespräch, das den Menschen verändert. Ein echtes Gespräch entflammt die Beteiligten. (Theodore Zeldin)

In Zeiten, in denen die Menschen es wagten zu reden, behandelten sie die Worte so, als hätten sie einen fast göttlichen Rang und müssen geachtet, gepflegt und geschmückt werden. (Theodore Zeldin)

Die Aufklärer hatten ein positiveres Menschenbild als wir, die Aufgeklärten. (Ernst Reinhardt)

Ein schlechtes Menschenbild ist die Ursache aller Kriege. (Alfred Selacher)

Begegnest du jemandem, der ein Gespräch wert ist, und du versäumst es, mit ihm zu reden, dann hast du einen Menschen verfehlt. Begegnest du jemandem, der kein Gespräch wert ist, und du redest mit ihm, dann hast du deine Worte verfehlt. Weise ist, wer stets den richtigen Menschen und die richtigen Worte findet. (Konfuzius)

Das Gespräch lebt nicht von der Mitteilung, sondern von der Teilnahme. (Ernst Reinhardt)

"Das war ein gutes Gespräch", sagt immer der, der am meisten geredet hat. (Peter Hohl)

Das Gespräch der meisten Gelehrten untereinander ist weiter nichts als ein gegenseitiges heimliches, höfliches Examinieren. (Jean Paul)

Das gesellschaftliche Gespräch setzt eine Geistigkeit besonderer Art voraus. Es verlangt Kürze der Überlegung und der Einwände. (Charles de Secondat)

Die Welt ist voller Menschen, die nicht allein sein können und für die ein noch so uninteressantes Gespräch besser ist als gar keines. (Henri Stendhal)

Literatur:

Theodore Zeldin, 1999. Der Rede Wert. Wie ein gutes Gespräch Ihr Leben bereichert. München: Piper.


DenkMal! Philosophisches Café am 1. Juli 2011

Thema: Streitkultur, Bedeutung des Diskurses (Habermas)

Diskurs meint Abhandlung, Erklärung. Es ist entlehnt vom lateinischen diskursus Erörterung, Mitteilung, eigentlich Auseinanderlaufen. (s. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache)

Diskurs meint ursprünglich eine Rede. In der frühen Neuzeit wird daraus eine philosophische Vortragsform, die ein Thema auf eine weniger thesenhafte Art behandelt als ein Traktat. Während in der frühen Neuzeit ein Diskurs von einem einzigen Autor vorgetragen wurde, versteht Habermas unter einem Diskurs eine argumentativ geführte Diskussion. Er unterscheidet den strategischen Diskurs, der zur Durchsetzung bestimmter Interessen in der Politik oder vor Gericht geführt wird, vom herrschaftsfreien Diskurs, der die Wissenschaften und die Philosophie kennzeichnen soll. Die Diskursphilosophie von Apel und Habermas schließt an die Einsichten von Sokrates, Platon und von Humboldt an. Im Diskurs soll der Wahrheitsanspruch einer Aussage über etwas in der objektiven Welt oder der Richtigkeitsanspruch einer Aussage über etwas in der sozialen Welt dialogisch eingelöst werden. Wenn man überhaupt in einen solchen Diskurs eintreten will, dann anerkennt man den anderen als gleichberechtigten, wahrheits- und zurechnungsfähigen Partner. Die Letztbegründung für so zu findende und gefundene wahre oder richtige Aussagen ist die wechselseitige Anerkennung von Menschen als gleichberechtigte Diskussionspartner. (aus Brugger, Schöndorf 2010. Philosophisches Wörterbuch; Prechtl (Hrsg.), Philosophie) 

 Streitkultur: So streiten, dass es eine Verständigung gibt und keine Versöhnung braucht. (Ernst Reinhardt)

Eine gesunde Streitkultur ist Ausdruck geistiger Beweglichkeit. Der übertriebene Hang nach Reibungsverlusten und Harmonie geht immer zu Lasten des Charakters und richtet sich nicht selten gegen die Wahrheit. (Peter Rudl)

Wenn es zum Diskurs nicht reicht, kann man immer noch Konversation machen. (Erwin Koch)

 Die Konsensustheorie der Wahrheit  beansprucht  den eigentümlichen Zwang des besseren Arguments durch formale Eigenschaften des Diskurses zu klären und nicht durch etwas, was entweder, wie die logische Konsistenz von Sätzen, dem Argumentationszusammenhang zugrunde liegt, oder, wie die Evidenz von Erfahrungen, von außen gleichsam in die Argumentation eindringt. (Jürgen Habermas)

Deduktive Argumente allein sind nicht informativ, und Erfahrungen bzw. moralische Gefühle bilden keine von Interpretationen unabhängige Basis. (Jürgen Habermas)

Die Leute streiten im Allgemeinen nur deshalb, weil sie nicht diskutieren können. (Gilbert Keith Chesterton)

Wer streiten will, muss sich hüten, bei dieser Gelegenheit Sachen zu sagen, die ihm niemand streitig macht. (Johann W. Goethe)

Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen. (Marie von Ebner-Eschenbach)


DenkMal! Philosophisches Café am 3. Juni 2011

Thema: Gesellschaftliche Utopien

 

Utopie: aus griechisch ou = nicht und topos = Ort. Die Neubildung durch Thomas Morus als Bezeichnung des nicht existierenden Ortes, an dem sich der von ihm beschriebene ideale Staat befindet. Dann übertragen auf alles Ideale. (S. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache)

Mensch sein heißt Utopien haben. (Paul Tillich)

Nichts sieht hinterher so einfach aus wie eine verwirklichte Utopie. (Werner Freiherr von Braun)

Nichts wird gut und vollkommen sein, bevor die Menschen gut und vollkommen sind. (Thomas Morus)

Ein auskömmliches Leben ist mir vollauf genug. Der Ausspruch "Nichts zuviel" soll mir der liebste sein. (Thomas Morus)

Wo es noch Privatbesitz gibt, wo alle Menschen alle Werte am Maßstab des Geldes messen, da wird es kaum jemals möglich sein, eine gerechte und glückliche Politik zu treiben. (Thomas Morus)

Ein Staatswesen gerät nur infolge von Verfehlungen in Verfall, die aus irregeleiteten Anschauungen entspringen. (Thomas Morus)

Ein Schurke, ja fast ein Hochverräter würde sein, wer unheilvolle Beschlüsse in arglistiger Weise noch guthieße. (Thomas Morus)

In einer wahren Gemeinschaft jedoch sind alle arm und reich zugleich: reich, weil alle das haben, was sie brauchen, arm, weil keiner etwas besitzt; zugleich dienen sie nicht den Sachen, sondern die Sachen ihnen. (Thomas Morus)

Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien. (Oscar Wilde)

Viele Utopien bringen uns technisch voran und werfen uns menschlich zurück. (Prof. Michael Marie Jung)

Heute ist die Utopie vom Vormittag die Wirklichkeit vom Nachmittag. (Friedrich Nietzsche)

Wunderbare Utopien liegt oft direkt vor unseren Füßen, aber wir sehen mit unsern Teleskopen darüber hinweg. (Ludwig Tieck)

Wenn Utopien nicht verwirklicht werden, dann deswegen, weil es Menschen gibt, die wollen, dass sie nicht verwirklicht werden. (Gerald Dunkl)

Jede Befreiungsbewegung verändert ihren Charakter, wenn sie von der Utopie zur Realität übergeht. (Karl Marx)

DenkMal! Philosophisches Café am 13.Mai 2011

Thema: Karl Marx, Deutung der Lebenswelt und notwendiges Handeln

Karl Marx (1818-1883): Konzeptionelle Grundlage der Marxschen Lehre ist der Hegelianismus. Von Hegel übernahm Marx die Prinzipien der Dialektik und das dynamisch-evolutionäre Denken. Marx vollzieht den Schritt vom Idealismus zum Materialismus. Im arbeitsteiligen Prozess verliert der Arbeiter jeden Kontakt mit dem Produkt seiner Arbeit. Die Praxis erweist sich als ein wesentlicher Prüfstein der Wahrheit. (aus: dtv-Atlas Philosophie)

Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.

Der Tod ist kein Unglück für den, der stirbt, sondern für den, der überlebt.

Jede Befreiungsbewegung verändert ihren Charakter, wenn sie von der Utopie zur Realität übergeht.

Wenn der Zweck die Mittel heiligt, dann ist der Zweck unheilig.

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.

Alle Revolutionen haben bisher nur eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht die Menschen.

Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.

Revolution: ruckartige Nachholung verhinderter Entwicklung.

Der wirkliche Reichtum eines Menschen ist der Reichtum seiner wirklichen Beziehungen.

Wer nichts achtet, ächtet sich selbst.

Jeder Schritt echter Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme.

Gewinne werden privatisiert – Verluste werden sozialisiert.

Nichts ist von Wert, wenn es nicht sinnvoll ist.

Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen

Man muss das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen.

DenkMal! Philosophisches Café am  1. April 2011

Thema: Klugheit zwischen Mut, Übermut und Feigheit

Klugheit: Die Fähigkeit, gesetzte Zwecke durch die realitätsgerechte Wahl angemessener Mittel zu realisieren. Obwohl Klugheit immer schon in Form nützlicher Ratschläge gelehrt wurde, hat Aristoteles ihr als erster einen systematischen Platz in der Ethik angewiesen. Er begreift Klugheit als eine Verstandestugend, die als Grundhaltung dazu befähigt, Mittel und Wege zum guten und richtigen Leben aufgrund richtiger Überlegung zu wählen. Weil Klugheit im Unterschied zur Gerissenheit oder Verschlagenheit definitionsgemäß auf sittliche Ziele bezogen ist, kann sie nicht ethisch indifferent sei. (s. Peter Prechtl, Philosophie)

Mut ist eine dispositionelle (anlagebedingte) Erlebens- und Verhaltensgrundlage, die durch Umwelteinflüsse stabilisiert oder beeinträchtigt werden kann. Mut hat als Charaktereigenschaft zahlreiche affine und differente phänomenale Ausgestaltungsformen: Draufgängertum, Tollkühnheit, Waghalsigkeit, Zaudern, Hemmung, Feigheit. (s. Arnold, Eysenck, Meili, Lexikon der Psychologie)

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. (Kurt Tucholsky)

Die Macht erzeugt Übermut. (Bertha von Suttner)

Der wahre Mut besteht darin, gerade dann Mut zu zeigen, wenn man nicht mutig ist. (Jules Renard)

Wer Mut zeigt, macht Mut. (Adolf Kolping)

Mut ist oft Mangel an Einsicht, während Feigheit nicht selten auf guten Informationen beruht. (Peter Ustinov)

Zorn ist die Voraussetzung für den Mut. (Thomas von Aquin)

Als Feigheit offenbart sich vorgetäuschter Mut. (Stefan Schütz)

Die schwach sind an Mut, sind stark an Schläue. (William Blake)

Ohne Mut trägt die Weisheit keine Früchte. (Baltasar Gracián y Morales)

Mut ist nichts anderes als die Angst, die man nicht zeigt. (Sergio Leone)

Klugheit ist die Kunst, zu erkennen, was man übersehen muss. (William James)

Allzu ängstliche Klugheit ist schädliche Schwäche. (Helmuth Graf von Moltke)

Die Klugheit eines Menschen wird daran gemessen, wie viel Unsicherheiten er zu ertragen vermag. (Immanuel Kant)

Was die Menschen Feigheit nennen, ist oft nur der Blick für die tieferen Zusammenhänge. (Bertrand Russel)

Literatur: Josef Pieper, Das Viergespann. München: Kösel.


DenkMal! Philosophisches Café am 4.März 2011
Thema:
Angst zwischen kreativem Auslöser und Missbrauch 

Angst
im weiteren Sinn isteine der stärksten psychophysischen Emotionen. Es ist das Gefühl derBeunruhigung. Ins Zentrum des philosophischen Interesses rückt sie beiKierkegaard, der Angst deutlich von der Furcht unterscheidet. Furcht ist eineReaktion auf eine erkennbare Bedrohung, während die Angst objektlos undunbestimmt ist, in ihr fühlt sich das Ich bedroht. Weil das Aufkeimen desFreiheitsbewusstseins mit Angst verknüpft ist, wird verständlich, warumMenschen auf der Flucht vor ihrer Freiheit sind und sich so verfehlen.Heidegger denkt besonders an jene Angst, in der das Sein zum Tode bewusst wird.(s. Brugger, Schöndorf, Philosophisches Wörterbuch)

Angst. Die allgemeine Konnotation des Wortes Angst ist dieselbe wiedie seines lateinischen Ursprungs anxietas, ein Erleben sich verändernderMischungen von Ungewissheit, Erregung und Furcht. Die lateinische Anwendungschloss eine Vorstellung von Strangulation ein; dies ist in der modernen Konnotation manchmal auch enthalten. Der Ausdruck wurde in die Psychologie eingeführt, alsSigmund Freud die Angstneurose als ein Syndrom beschrieb, das von derNeurasthenie zu unterscheiden sei. Der Begriff wurde aber innerhalb derPsychologie erst 40 Jahre später allgemein üblich. (s. Arnold, Eysenck, Meili,Lexikon der Psychologie)

Mut ist Widerstand gegen die Angst,Sieg über die Angst, aber nicht Abwesenheit von Angst. (Mark Twain)

Die Angst ist die Begierde nach dem, wovor man sichfürchtet... Sie ist eine fremde Macht, die das Individuum ergreift, ohne dassdieses sich von ihr lösen könnte oder wollte, denn es hat Angst – und diese Angstselbst ist ein Bedürfnis. (Sören  Kierkegaard)

Man machtuns immer nur Angst. Davor sollten wir Angst haben! (Andreas Bechstein)

Angst hat der, der Angst hat, seine Angst zu zeigen. (Hassan Mohsen)

Hab keineAngst, dass das Leben einmal zu Ende geht. Hab eher Angst, dass es nie richtiganfängt. (John Henry Newman)

Angst istunerträglicher als der Schmerz; die Angst schärft die Empfindungen, während derSchmerz sie abstumpft. (Carmen Sylva)

Die Angstverlängert das Leben. (Bruno Ziegler)Angst istder Schwindel der Freiheit. (Sören Kierkegaard)

DieGrundlage des Optimismus ist blanke Angst. (Oscar Wilde)



DenkMal! Philosophisches Café am 4. Februar 2011

Thema: Freiheit und Determinismus

Determinismus: Jedes Geschehen ist durch die ihmvorausgehenden Ursachen eindeutig und unveränderlich bestimmt. Bei derVorbestimmung durch Gott spricht man von Prädestination, nach der Lehre derStoa ist alles durch die Gestirne und den Kosmos vorherbestimmt (kosmologischerDeterminismus). (nach Brugger, W., Schöndorf, H. 2010. PhilosophischesWörterbuch, Freiburg München)

Freiheit: Im philosophischen Sinne gibt esvor allem drei Bedeutungen. 1. Handlungsfreiheit 2. Freiheit von gesetzlicheroder moralischer Bindung 3. Willens-, Wahl oder Entscheidungsfreiheit. (nachBrugger, W., Schöndorf, H. 2010. Philosophisches Wörterbuch, Freiburg München)

Kein Mensch bekämpft die Freiheit; er bekämpfthöchstens die Freiheit der anderen. Jede Art der Freiheit hat daher immerexistiert, nur einmal als besonderes Vorrecht, das andere Mal als allgemeinesRecht. (Karl Marx)

DieFreiheit, »hat« man nicht – wie irgend etwas, das man auch verlieren kann –,sondern die Freiheit »bin ich«. (Viktor Frankl)

DerMensch ist nicht frei geboren, sondern zur Freiheit berufen. Denn der BegriffFreiheit ist Selbstbestimmung. (Moritz Carrière)

Freiheit ist immer Freiheitder Andersdenkenden. (Rosa Luxemburg)

DieVölker, die daran gewöhnt sind, Herrscher über sich zu haben, können diesenicht mehr entbehren. Sie halten Zügellosigkeit, die der Freiheitentgegengesetzt ist, für Freiheit und geraten durch ihr Aufbegehren fast immerVerführern in die Hände. (Jean-Jacques Rousseau)

Eines der größten Probleme der Erziehung ist, wie mandie Unterwerfung unter den gesetzlichen Zwang mit der Fähigkeit, sich seinerFreiheit zu bedienen, vereinigen könne. Denn Zwang ist nötig! Wie kultiviereich die Freiheit bei dem Zwange? (Immanuel Kant)

Das Geheimnis der Freiheitist der Mut. (Perikles)

Macht ist Pflicht – Freiheitist Verantwortlichkeit. (Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach)

Viele Gewohnheiten, wenigerFreiheit. (Immanuel Kant)

An den Tod zu denken heißt,sich die Freiheit zu bewahren. (Michel de Montaigne)

Das Reich derFreiheit beginnt da, wo Arbeit aufhört. (Karl Marx)

Freiheit istBefreiung von der Illusion, der Täuschung der Persönlichkeit. (Leo Tolstoi)

Die Beherrschung unsererLeidenschaften ist der wahre Fortschritt in der Freiheit. (John Locke)

Freiheit ist ein Luxus, densich nicht jedermann leisten kann. (Karl Marx)

In allem Gerechtigkeit, undes wird genug Freiheit geben. (Nicolas Chamfort)

Zur Freiheit gehört es,abwechselnd zu regieren und regiert zu werden. (Aristoteles) 

Literaturempfehlungen:
 

Peter Bieri 2009. Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens. Frankfurt am Main: Fischer.
Norbert Bolz 2010. Die ungeliebte Freiheit. Ein Lagebericht. München: Wilhelm Fink Verlag.
Albert Keller 2010. Vom guten Handeln. In Freiheit die Geister unterscheiden. Würzburg: Echter.


DenkMal! Philosophisches Café am 7.Januar 2011

Thema: Ehrgeiz und Macht
  

Ehrgeiz
:Rückbildung aus dem Adjektiv ehrgeizig, mittelhochdeutsch ergitec, das aus Ehreund geizig in der älteren Bedeutung habsüchtig, gierig zusammengesetzt ist.Also nach Ehre verlangend. (s. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschenSprache) 

Macht: Inalltäglichen, politischen und sozialen Zusammenhängen gebrauchter Begriff fürdie Möglichkeit, Wirkungen hervorzubringen. Etymologisch verweist der Begriffauf die einem tätigen Subjekt zugeschriebene Möglichkeit (indogermanisch = magh= mögen, vermögen).  Der großeBedeutungsumfang des Wortes macht die weite Verbreitung des bezeichnetenPhänomens bewusst; Macht ist – wie Max Weber gesagt hat – „amorph“, d. h. sieliegt allen konkreten Gestaltungen der Wirklichkeit voraus. (s. Peter Prechtl(Hg.) Philosophie) 

Man geht oft von der Liebe zum Ehrgeizüber, aber selten kehrt man vom Ehrgeiz zur Liebe zurück. (François VI. Duc deLa Rochefoucauld) 

Mode dient der Eitelkeit, Eitelkeitdient dem Ehrgeiz, Ehrgeiz dient der Macht, die Macht bedient sich selbst. (Dr.Ekkehart Mittelberg) 

Das schändlichste Laster ist derEhrgeiz. (Martin Luther) 

Dem Ehrgeiz dient ein Riesenheer vonSklaven. (Erich Limpach) 

Der wahre Ehrgeiz besteht in demVerlangen, sich durch tugendhafte Handlungen vor anderen Menschen auszuzeichnen.(Friedrich II.) 

Dass Macht Macht macht, macht nichts,wenn sie menschlich ist. (Manfred Hinrich) 

Macht macht gierig nach Macht. (AnkeMaggauer-Kirsche) 

Wissen ist Macht. Wissen von der Macht,noch ein wenig mehr Macht. (Martin Gerhard Reisenberg) 

Die Ehre verpflichtet zur Sittlichkeit, der Ruhm noch mehr, die Macht am meisten.(Berthold Auerbach) 

Alles Geschehen aus Absichten ist reduzierbarauf die Absicht der Mehrung von Macht. (Friedrich Nietzsche) 

Die Lust an der Macht hat ihren Ursprungnicht in der Stärke, sondern in der Schwäche. (Erich Fromm) 

Macht hat dieinnere Logik, andere Macht nicht zu dulden. (Gerd Peter Bischoff) 

Die Macht, Steuern zu erheben,beinhaltet auch die Macht, zu zerstören. (John Marshall)