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An jedem ersten Freitag im Monat
16:00 Uhr - 18:00 Uhr
Café Overbeck

Bisherige Themen beim Café DenkMal!:
Entschleunigung und Effizienz; Kultur; Lebenswille; Standortbestimmung zwischen Schmerz und Selbstzerstörung/Die Beeinflussbarkeit des Menschen; Das Theorie-/Praxisproblem; Vordenker/Der Wert der Intellektuellen in der Gesellschaft; Berwertung/Wertung; Lebensprägung; Gespräch und Selbstwerdung; Neid; Kritik; Luxus; Die Lust am Loslassen; Ritus und Ritual; Starke Worte und Wörter; Integration/Assimilation; Niveau/Norm/Maßstab; Elite; Sprache; Metaphern der Moderne; soziale Gerechtigkeit; Wachsen/Wandeln; ars moriendi; Gewalt als Gottes Dienst?; Religiosität/Spiritualität; Gelungenes Leben im und mit dem Koran/Islam; Scheitern; Charakterbildung; Bildung; Inhalt und Form; Vom guten Leben; Dummheit/Torheit; Selbstwerdung/Individuation; Altruismus; Leid; Beziehung und Gemeinschaft; Charisma; Identität; Zivilcourage und Ehrenamt; Tugendhaftigkeit/Tugend; Stolz; Muße; Das Schöne; Was uns Halt gibt...; Angst und Angstbewältigung; Begrenzungen und Unveränderbarkeit; Veränderung und Wandel; Respekt und Achtung; Vertrauen; Macht; Disziplin; Selbsterkenntnis; Erkenntnis; Familie; Verantwortung; Spiritualität; Manipulation; Humor und Lebensbewältigung; Chaos; Leben und Sterben; Macht Hoffnung Sinn?


DenkMal! Philosophisches Café am 5. März 2010
Thema: Entschelunigung und Effizienz

Effizienz ist die Faulheit der Intelligenten. (Gräfin Fito)

Das ganze Jahr (Die vier Jahreszeiten) wurde von Vivaldi in 40 Minuten vertont. Welch eine Effizienz! (Pavel Kosorin)

Es muss in diesem Leben mehr als Eile geben. (K. A. Geißler)

Offenbar braucht die effektive und effiziente Entfaltung von Geschwindigkeit gleichzeitig eine vertraute „stehengebliebene“ Basis. (Klaus Backhaus/Holger Bonus)

Effektive Geschwindigkeit auf der Handlungsebene lässt sich nur erreichen durch Langsamkeit auf der Ebene der Spielregeln. (D. Schuppert)

Aber gerade die durch die Geschwindigkeit ermöglichte Komplexität verhindert, dass die Menschen mit Hilfe der Maschinen ihre Arbeit effizienter und das heißt auch schneller verrichten können. (G. Fülgraff)

Der Geschwindigkeitsvorteil verkehrt sich in einen Geschwindigkeitsnachteil, weil nicht das ganze System beschleunigt wird, sondern nur Teile. (G. Fülgraff)

Wir sind abgestumpft gegenüber struktureller Gewalt, die aus immer dramatischer werdenden Beschleunigungsvorgängen entsteht. (G. Fülgraff)

Wollen wir nicht völlig vereinzeln und sozial verarmen, müssen Anfangs- und Abschlusszeiten sozial arrangiert werden. Man kann das Soziale nicht einfach ein- und abschalten. (K. A. Geißler)

So wie die Produktion immer hektischer wird, so auch der Konsum und der Genuss. (K. A. Geißler)

Vor lauter Geschäftigkeit fehlt uns die Zeit zum Abschiednehmen, zum Erinnern Können. (K. A. Geißler)

Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit. (Jesus Sirach 38,25)

Man muss nicht die Schnelligkeit steigern oder die Langsamkeit pflegen, sondern den Rhythmus finden. (Ernst Reinhardt)  

Der Technik kann man nur bescheinigen, dass sie die Zeit beschleunigt; dass sie Zeit spart, ist ein Märchen. (Sigbert Latzel)    

Literaturangaben:

Stan Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit.
Karlheinz A. Geißler, Vom Tempo der Zeit.
Klaus Backhaus, Holger Bonus (Hrsg.), Die Beschleunigungsfalle oder der Triumph der Schildkröte.



DenkMal! Philosophisches Café am 5. Februar 2010
Thema: Kultur

Der Krieg ist ein Winterschlaf der Kultur. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)
 
Mit dem Eigentum tritt die Möglichkeit der Kultur ein. (Johann Huber)

Je höher die Kultur, desto reicher die Sprache. (Anton Pawlowitsch Tschechow)

Der Antisemitismus ist das Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur. (Friedrich Engels)

Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt. (Plato)

Widerspruch-vertragen-können ist ein Zeichen von hoher Kultur. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Solange es Kriege, Drogen und Terrorismus gibt, können wir nicht von menschlicher Kultur sprechen. (Werner Braun)

Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen, dass wir unsere Gedanken kontrollieren können. (Charles Darwin)

Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn entdeckt - der hat Kultur. (Oscar Wilde)

Kultur ist der Weg von der geschlossenen Einheit durch die entfaltete Vielheit zur entfalteten Einheit. (Georg Simmel)

Kultur entsteht  - und das ist das schlechthin Wesentliche für ihr Verständnis -, indem zwei Elemente zusammenkommen, deren keines sie für sich enthält: die subjektive Seele und das objektiv geistige Erzeugnis. (Georg Simmel)

Freuds Theorie der Kultur sieht das Leben in der Gesellschaft als einen auferlegten Kompromiss und daher als ein im Wesentlichen unlösbares Dilemma. Dieselben Institutionen, die das Überleben der Menschheit sichern, verursachen auch ihre Unzufriedenheit. (Peter Gay)

Die Existenz dieser Aggressionsneigung, die wir bei uns selbst beobachten können, beim anderen mit Recht voraussetzen, ist das Moment, das unser Verhältnis zum Nächsten stört und die Kultur zu ihrem Aufwand nötigt. (S. Freud)

Man darf nämlich behaupten, dass auch die Gemeinschaft ein Über-Ich ausbildet, unter dessen Einfluss sich die Kulturentwicklung vollzieht. (S. Freud)

Bei der Einzelneurose dient uns als nächster Anhalt der Kontrast, in dem sich der Kranke von seiner als „normal“ angenommenen Umgebung abhebt. Ein solcher Hintergrund entfällt bei einer gleichartig affizierten Masse, er müsste anderswoher geholt werden. (S. Freud)

Literaturangaben:

Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur.
Georg Simmel, Philosophische Kultur.


DenkMal! Philosophisches Café am 01.01.2010
Thema: Lebenswille
   

Das Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille, zu leben, indem man die Bedingungen dieses Lebens annimmt. (Maurice Barres)

Der Wille zum Sinn bestimmt unser Leben! Wer Menschen motivieren will und Leistung fordert, muss Sinnmöglichkeiten bieten. (Viktor Frankl)

Nachdem ich, in vielen der schwerer erklärbaren Handlungen, Äußerungen jener Lust an der Emotion an sich gefunden habe, möchte ich auch in Betreff der Selbstverachtung, welche zu den Merkmalen der Heiligkeit gehört, und ebenso in den Handlungen der Selbstquälerei (durch Hunger und Geisselschläge, Verrenkungen der Glieder, Erheuchelung des Wahnsinns) ein Mittel erkennen, durch welches jene Naturen gegen die allgemeine Ermüdung ihres Lebenswillens (ihrer Nerven) ankämpfen: sie bedienen sich der schmerzhaftesten Reizmittel und Grausamkeiten, um für Zeiten wenigstens aus jener Dumpfheit und Langenweile aufzutauchen, in welche ihre große geistige Indolenz und jene geschilderte Unterordnung unter einen fremden Willen sie so häufig verfallen lässt. (F. Nietzsche)

"Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht", lautet ein berühmter Satz aus dem "Zarathustra". Nietzsches Bild des Lebens malt dieses als unaufhörlichen Kampf widerstreitende Kräfte aus. Als "Wille zur Macht" begriffen, unterscheidet sich dieses Lebenskonzept sowohl von Schopenhauers "Willen zum Leben" als auch von Darwins "Kampf ums Dasein". Resultiert nach Schopenhauer der Lebenswille aus dem reaktiven Bedürfnis, Erfahrungen des Mangels und des Leidens zu beseitigen, so versteht Nietzsche ihn als eine "Fülle von Kraft", die sich selbst spielerisch immer neue Widerstände setzt, um sie zu überwinden. Und anders als für Darwin geht für Nietzsche der Impuls des Lebens über das Ziel der bloßen Existenzerhaltung hinaus, drängt auf souveräne, aktive Umgestaltung der Umwelt. Teil des organischen Lebens ist daher, wie Hogh hervorhebt, auch der "Geist" und sein schöpferischer "Wille zum Schein", seine konstruktive Fähigkeit zur Lüge, Verstellung, Fiktion. Auch er dient der Machterweiterung, bemächtigt sich der Wirklichkeit, indem er ihre Negativität und Komplexität reduziert.