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An jedem ersten Freitag im Monat
16:00 Uhr - 18:00 Uhr
Café Overbeck

Bisherige Themen beim Café DenkMal!:
Zwischen Standpunkt und Fanatismus; Motivation und Wollen; Ideale zwischen Sehnsucht und Enttäuschung; Krise/Reifungsprozess/Exerzitien; Langeweile/Faulheit als konstruktiver Prozess; Entschleunigung und Effizienz; Kultur; Lebenswille; Standortbestimmung zwischen Schmerz und Selbstzerstörung/Die Beeinflussbarkeit des Menschen; Das Theorie-/Praxisproblem; Vordenker/Der Wert der Intellektuellen in der Gesellschaft; Berwertung/Wertung; Lebensprägung; Gespräch und Selbstwerdung; Neid; Kritik; Luxus; Die Lust am Loslassen; Ritus und Ritual; Starke Worte und Wörter; Integration/Assimilation; Niveau/Norm/Maßstab; Elite; Sprache; Metaphern der Moderne; soziale Gerechtigkeit; Wachsen/Wandeln; ars moriendi; Gewalt als Gottes Dienst?; Religiosität/Spiritualität; Gelungenes Leben im und mit dem Koran/Islam; Scheitern; Charakterbildung; Bildung; Inhalt und Form; Vom guten Leben; Dummheit/Torheit; Selbstwerdung/Individuation; Altruismus; Leid; Beziehung und Gemeinschaft; Charisma; Identität; Zivilcourage und Ehrenamt; Tugendhaftigkeit/Tugend; Stolz; Muße; Das Schöne; Was uns Halt gibt...; Angst und Angstbewältigung; Begrenzungen und Unveränderbarkeit; Veränderung und Wandel; Respekt und Achtung; Vertrauen; Macht; Disziplin; Selbsterkenntnis; Erkenntnis; Familie; Verantwortung; Spiritualität; Manipulation; Humor und Lebensbewältigung; Chaos; Leben und Sterben; Macht Hoffnung Sinn?


DenkMal! Philosophisches Café am 06. August 2010
Thema: Zwischen Standpunkt und Fanatismus



DenkMal! Philosophisches Café am 2. Juli 2010
Thema: Motivation und Wollen
Konzentration ist zielgerichtete Motivation.  (Andreas Tenzer)  

Die Motivation ist die durch das Erkennen hindurchgehende Kausalität. (Arthur Schopenhauer)

Wollen – ? Undeutbares Wort. Manches müssen wir wollen – manches dürfen wir wollen – manches können wir wollen. Aber was wollen wir wollen? Nur was wir wollen müssen, wollen wir wirklich. Und dies, ist es noch ein Wollen, ist es nicht schon ein Müssen? (Arthur Schnitzler)

Lass ihn im Galoppe tollen
Reite ruhig deinen Trab!
Ein zu ungestümes Wollen
Wirft von selbst den Reiter ab. (Wilhelm Busch)

Während die Fähigkeiten vor allem den Ertrag oder das Adaptionsniveau eines Verhaltens beeinflussen, bestimmt die Motivation dessen Aktivierungsgrad, dessen Intensität und Beständigkeit sowie dessen allgemeine Richtung. (Arnold, Eysenck, Meili, Lexikon der Psychologie)

Jeder ist Herr über seine Gedanken und somit auch Herr über seine Motivation. Ändere deine Gedanken und du veränderst deine Motivation. (Andreas Hoffstadt)  

Motivation ist wie der Rückenwind beim Fahrradfahren. (Hermann Lahm)  

Kritik sachlich argumentiert, ist Nahrung für neue Motivation. (Franz Schmidberger)

Die Motivation der meisten Menschen frühmorgens aufzustehen, besteht darin, dass sie pinkeln müssen. (Albert Ziegler, Jesuitenpater)  

Hass ist oft eine gute Motivation, aber ein schlechter Führer und ein miserabler Kämpfer.  (Tanja Grassecker)  

Motivation bedeutet, das Ziel nach dem Ziel ist zielentscheidend. (Julian Scharnau)  

Du kannst deine Motivation verändern, indem du dein Denken über dich selbst und über deine Umstände veränderst. (Karl Pilsl)  

Herrschaft ist dann perfekt, wenn die Beherrschten das wollen, was die Herrscher von ihnen wollen, dass sie wollen. (Gerald Dunkl)  

Das Wollen ist uns gegeben auf Grund unserer freien Willensentscheidung, nicht aber das Können dessen, was wir wollen. (Bernhard von Clairvaux)


DenkMal! Philosophisches Cafe am 4. Juni 2010

Thema: Ideale zwischen Sehnsucht und Enttäuschung


Ideal,
nach G. E. Lessing von Francesco Lana in den Sprachgebrauch eingeführt bezeichnet es das dem menschlichen Selbstentwurf entstammende, zugleich aber gnadenhaft bestätigte Leitbild individueller und kollektiver Selbstverwirklichung. (LThK) 

Alle großen Ideale scheitern an den Leuten. (Bertolt Brecht)

Angewandte Ideale entarten rasch zu fixen Ideen. (Hans Kasper)

Das Ideal und die gemeine Wirklichkeit müssen streng geschieden werden. ( J. W. von Goethe)

Das Übel gedeiht nie besser, als wenn ein Ideal davor steht. (Karl Kraus)

Wir suchen unser Ideal vor uns, während es hinter uns liegt. (L. N. Tolstoi)

Kein Geschlecht der Menschen reicht weit genug in die kommenden Geschlechter, dass es seine Ideale, die dann selten noch die ganzen Ideale sind, erfüllt sähe. (Wilhelm Raabe)

Der ideale Tag wird nie kommen. Der ideale Tag ist heute, wenn wir ihn dazu machen. (Horaz)

Das Materielle wird stets in Fragen, wo das Fortkommen des Einzelnen bedroht ist, über das Ideale siegen, denn Gold – Gold – klingendes Gold bietet so mannigfachen Ersatz für verlorene und begrabene Ideale. (Wilhelm Vogel)

Die Ideale sind auch Produkte eines Übergangsmoments. (Novalis)

Es ist der Sinn der Ideale, dass sie nicht verwirklicht werden können. (Theodor Fontane)

Er hat so viele Ideale, dass er nicht dazu kommt, auch nur eins zu verwirklichen. (Harald Kriegler)

Ideale erhält man völlig umsonst. Trennt man sich jedoch nicht rechtzeitig von ihnen, können sie äußerst kostspielig werden. (Martin Gerhard Reisenberg)

Ideale sind wie Sterne, man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren. (Carl Schurz)

Im Leben sinken deine Ideale zusammen - auf deine wahre Größe…  (Elmar Kupke)

Wähle deine Ideale gut! Je höher du sie ansetzt, umso höher ist der Maßstab, der an dich gelegt wird!  (Gudrun Zydek)

Wer handelt, darf nicht zweifeln; er muss vom Glauben an seine Zwecke, seine Ideale erfüllt und getrieben sein. (Johann Wolfgang von Goethe)



DenkMal! Philosophisches Cafe am 7. Mai 2010
Thema: Krise/Reifeprozess/Exerzitien
 

Zur Etymologie: Krise ist entlehnt aus lateinisch crisis, dieses aus griechisch krisis (eigentlich Scheidung, Entscheidung) zu griechisch krinein scheiden, trennen. Zunächst ein Fachwort in der Medizin, das den entscheidenden Punkt einer Krankheit bezeichnete; dann Verallgemeinerung. (s. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache)

Zur Etymologie:
Exerzitien ist ein in der Bedeutung spezialisiertes Abstraktum von exerzieren, dieses ist aus lateinisch exercere, eigentlich nicht ruhen lassen, Bewegung verschaffen entlehnt. (s. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache)  

Krisen sind Weichenstellungen des Lebens. Nur der Tod kennt keine Krise. (Andreas Tenzer)

Es ist aber durchaus möglich, dass ein Mensch mit seiner Aufmerksamkeit und seiner Energie so auf die Überwindung einer bestimmten Krisensituation fixiert ist, dass die Offenheit für eine umfassendere und tiefere Dimension an Krisen-Erfahrung dadurch blockiert bleibt. (Alex Lefrank)

Wenn ich nun als Begleiter den Eindruck habe, nicht mehr weiterzuwissen, werde ich handgreiflich auf die Tatsache gestoßen, dass ich den inneren Prozess beim anderen nicht kontrollieren kann. (Alex Lefrank)

Eine Krise ist in einem anspruchsvollen Objekt ein ganz normaler Zustand. (Dr. Robert Mühlbacher)

Wer den Sinn einer ersten Krise nicht verstanden hat, bekommt eine zweite. (Pascal Lachenmeier)

Echte Entwicklung, Entfaltung oder Reifung können niemals von außen konditioniert werden. Es sind vielmehr natürliche Prozesse, die sich von selbst abwickeln, wenn ein lebendiger Organismus mit einer Umgebung, die seine Bedürfnisse befriedigt, aus eigenem Antrieb interagiert. (Rebecca Wild)  

Reifeprozesse erlauben, dass ein Organismus die Errungenschaften früherer Generationen in sein eigenes Repertoire aufnimmt, doch mit Rücksicht auf inneres und äußeres Gleichgewicht. Es sind immer langsame Prozesse, denn jede neue Entwicklung restrukturiert alles bereits Gewachsene und verknüpft auf vorsichtige Weise neu Gelerntes mit allen bestehenden Lebenssystemen. Und unter Berücksichtigung all dieser komplexen Zusammenhänge lassen Reifeprozesse immer die Möglichkeit für ganz neuartige Interaktionen und Lösungen offen, denn sie nehmen ständig Fühlung mit jeglicher Veränderung der Umgebung auf, die neue Herausforderungen an den Organismus stellen könnten. (Rebecca Wild)

Beim Menschen zeigt sich wahre Reifung darin, dass sie ein immer tieferes Verständnis von Situationen und Problemen und deren Lösungen mit sich bringt. (Rebecca Wild)


DenkMal! Philosophisches Cafe am 2. April 2010

Thema: Langeweile/Faulheit als konstruktiver Prozess
 

Zur Etymologie von Faulheit: Die Übertragung von „faul“ auf träge geht von „so lange liegen geblieben, bis Fäulnis eintritt“ aus. (s. Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache)

Zur Bedeutung von Langeweile:
Fehlen von Abwechslung, Öde, Eintönigkeit. (s. Bertelsmann Wörterbuch der deutschen Sprache)

Zur Bedeutung von acedia (Trägheit):
Überdruss am religiös, aszetisch, geistlichem Leben, am Gebet, am Überschreiten der diesseitigen Welt mit ihren innerirdischen Erfüllungen auf Gott hin, geistliche Lustlosigkeit, religiöser Widerwille, Lähmung des Aufschwungs aus der Dumpfheit oder Sattheit des Alltags zum Göttlichen. (s. LThK)

Die Faulen haben keine Ahnung vom Reiz der Faulheit. Nur die Fleißigen können den Müßiggang genießen. (Georges Simenon)

Langeweile ist die beste Krankenwärterin. (Robert Hamerling)

Dauerndes Glück ist Langeweile. (Oswald Spengler)

Langeweile ist ein Trick der Natur, uns zu Taten anzuspornen. (Friedrich Löchner)

Das Interessante an der Langeweile besteht in ihrem Reifeprozess. (Martin Gerhard Reisenberg)

Die Langeweile ist das Problem derer, die an Kurzweil gewöhnt sind. (Ulrich Erckenbrecht)

Das Geheimnis des Glücks liegt in der Fähigkeit, die Langeweile zu genießen. (Ulrich Erckenbrecht)

Kein Leben ist so kurz, dass es keinen Raum für Langeweile hätte. (Jules Renard)

Langeweile hat alle Künste des Schönen und allen Luxus erschaffen. (Karl Julius Weber)

Erziehung läuft auf zweierlei hinaus: Ungerechtigkeiten erdulden und Langeweile ertragen lernen. (Abbé Ferdinando Galiani)

Vielleicht ist die Langeweile der einzige Gemütszustand, der der Realität gerecht wird. Dass wir sie überwinden können, ist der schönste Beweis unserer Glücksmächtigkeit, d.h. unserer Illusionsfähigkeit. (Jacques Wirion)


DenkMal! Philosophisches Café am 5. März 2010
Thema: Entschleunigung und Effizienz

Effizienz ist die Faulheit der Intelligenten. (Gräfin Fito)

Das ganze Jahr (Die vier Jahreszeiten) wurde von Vivaldi in 40 Minuten vertont. Welch eine Effizienz! (Pavel Kosorin)

Es muss in diesem Leben mehr als Eile geben. (K. A. Geißler)

Offenbar braucht die effektive und effiziente Entfaltung von Geschwindigkeit gleichzeitig eine vertraute „stehengebliebene“ Basis. (Klaus Backhaus/Holger Bonus)

Effektive Geschwindigkeit auf der Handlungsebene lässt sich nur erreichen durch Langsamkeit auf der Ebene der Spielregeln. (D. Schuppert)

Aber gerade die durch die Geschwindigkeit ermöglichte Komplexität verhindert, dass die Menschen mit Hilfe der Maschinen ihre Arbeit effizienter und das heißt auch schneller verrichten können. (G. Fülgraff)

Der Geschwindigkeitsvorteil verkehrt sich in einen Geschwindigkeitsnachteil, weil nicht das ganze System beschleunigt wird, sondern nur Teile. (G. Fülgraff)

Wir sind abgestumpft gegenüber struktureller Gewalt, die aus immer dramatischer werdenden Beschleunigungsvorgängen entsteht. (G. Fülgraff)

Wollen wir nicht völlig vereinzeln und sozial verarmen, müssen Anfangs- und Abschlusszeiten sozial arrangiert werden. Man kann das Soziale nicht einfach ein- und abschalten. (K. A. Geißler)

So wie die Produktion immer hektischer wird, so auch der Konsum und der Genuss. (K. A. Geißler)

Vor lauter Geschäftigkeit fehlt uns die Zeit zum Abschiednehmen, zum Erinnern Können. (K. A. Geißler)

Wer seine Tätigkeit einschränkt, erlangt Weisheit. (Jesus Sirach 38,25)

Man muss nicht die Schnelligkeit steigern oder die Langsamkeit pflegen, sondern den Rhythmus finden. (Ernst Reinhardt)  

Der Technik kann man nur bescheinigen, dass sie die Zeit beschleunigt; dass sie Zeit spart, ist ein Märchen. (Sigbert Latzel)    

Literaturangaben:

Stan Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit.
Karlheinz A. Geißler, Vom Tempo der Zeit.
Klaus Backhaus, Holger Bonus (Hrsg.), Die Beschleunigungsfalle oder der Triumph der Schildkröte.



DenkMal! Philosophisches Café am 5. Februar 2010
Thema: Kultur

Der Krieg ist ein Winterschlaf der Kultur. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)
 
Mit dem Eigentum tritt die Möglichkeit der Kultur ein. (Johann Huber)

Je höher die Kultur, desto reicher die Sprache. (Anton Pawlowitsch Tschechow)

Der Antisemitismus ist das Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur. (Friedrich Engels)

Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt. (Plato)

Widerspruch-vertragen-können ist ein Zeichen von hoher Kultur. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Solange es Kriege, Drogen und Terrorismus gibt, können wir nicht von menschlicher Kultur sprechen. (Werner Braun)

Moralische Kultur hat ihren höchsten Stand erreicht, wenn wir erkennen, dass wir unsere Gedanken kontrollieren können. (Charles Darwin)

Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn entdeckt - der hat Kultur. (Oscar Wilde)

Kultur ist der Weg von der geschlossenen Einheit durch die entfaltete Vielheit zur entfalteten Einheit. (Georg Simmel)

Kultur entsteht  - und das ist das schlechthin Wesentliche für ihr Verständnis -, indem zwei Elemente zusammenkommen, deren keines sie für sich enthält: die subjektive Seele und das objektiv geistige Erzeugnis. (Georg Simmel)

Freuds Theorie der Kultur sieht das Leben in der Gesellschaft als einen auferlegten Kompromiss und daher als ein im Wesentlichen unlösbares Dilemma. Dieselben Institutionen, die das Überleben der Menschheit sichern, verursachen auch ihre Unzufriedenheit. (Peter Gay)

Die Existenz dieser Aggressionsneigung, die wir bei uns selbst beobachten können, beim anderen mit Recht voraussetzen, ist das Moment, das unser Verhältnis zum Nächsten stört und die Kultur zu ihrem Aufwand nötigt. (S. Freud)

Man darf nämlich behaupten, dass auch die Gemeinschaft ein Über-Ich ausbildet, unter dessen Einfluss sich die Kulturentwicklung vollzieht. (S. Freud)

Bei der Einzelneurose dient uns als nächster Anhalt der Kontrast, in dem sich der Kranke von seiner als „normal“ angenommenen Umgebung abhebt. Ein solcher Hintergrund entfällt bei einer gleichartig affizierten Masse, er müsste anderswoher geholt werden. (S. Freud)

Literaturangaben:

Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur.
Georg Simmel, Philosophische Kultur.


DenkMal! Philosophisches Café am 01.01.2010
Thema: Lebenswille
   

Das Glück ist im Grunde nichts anderes als der mutige Wille, zu leben, indem man die Bedingungen dieses Lebens annimmt. (Maurice Barres)

Der Wille zum Sinn bestimmt unser Leben! Wer Menschen motivieren will und Leistung fordert, muss Sinnmöglichkeiten bieten. (Viktor Frankl)

Nachdem ich, in vielen der schwerer erklärbaren Handlungen, Äußerungen jener Lust an der Emotion an sich gefunden habe, möchte ich auch in Betreff der Selbstverachtung, welche zu den Merkmalen der Heiligkeit gehört, und ebenso in den Handlungen der Selbstquälerei (durch Hunger und Geisselschläge, Verrenkungen der Glieder, Erheuchelung des Wahnsinns) ein Mittel erkennen, durch welches jene Naturen gegen die allgemeine Ermüdung ihres Lebenswillens (ihrer Nerven) ankämpfen: sie bedienen sich der schmerzhaftesten Reizmittel und Grausamkeiten, um für Zeiten wenigstens aus jener Dumpfheit und Langenweile aufzutauchen, in welche ihre große geistige Indolenz und jene geschilderte Unterordnung unter einen fremden Willen sie so häufig verfallen lässt. (F. Nietzsche)

"Wo ich Lebendiges fand, da fand ich Willen zur Macht", lautet ein berühmter Satz aus dem "Zarathustra". Nietzsches Bild des Lebens malt dieses als unaufhörlichen Kampf widerstreitende Kräfte aus. Als "Wille zur Macht" begriffen, unterscheidet sich dieses Lebenskonzept sowohl von Schopenhauers "Willen zum Leben" als auch von Darwins "Kampf ums Dasein". Resultiert nach Schopenhauer der Lebenswille aus dem reaktiven Bedürfnis, Erfahrungen des Mangels und des Leidens zu beseitigen, so versteht Nietzsche ihn als eine "Fülle von Kraft", die sich selbst spielerisch immer neue Widerstände setzt, um sie zu überwinden. Und anders als für Darwin geht für Nietzsche der Impuls des Lebens über das Ziel der bloßen Existenzerhaltung hinaus, drängt auf souveräne, aktive Umgestaltung der Umwelt. Teil des organischen Lebens ist daher, wie Hogh hervorhebt, auch der "Geist" und sein schöpferischer "Wille zum Schein", seine konstruktive Fähigkeit zur Lüge, Verstellung, Fiktion. Auch er dient der Machterweiterung, bemächtigt sich der Wirklichkeit, indem er ihre Negativität und Komplexität reduziert.